Himmelsschauspiel 2025: Leoniden – Meteorstrom im November – und erdnächster Supermond des Jahres
- Sabine Reifenstahl

- 2. Nov.
- 8 Min. Lesezeit

Leoniden 2025: Feuerfunken aus dem Reich des Löwen und Supermond
Ein kalter Novemberabend. Der Atem steht als feiner Dunst in der Luft, irgendwo heult ein Wolf. Vielleicht ist es auch nur ein einsamer Hund, der sich an die Zeiten seiner Ahnen als wildes Raubtier erinnert.
Jäh zerreißt ein kurzer, greller Strich die Dunkelheit.
»Schon wieder einer«, sagt der muskelbepackte Riese mit dem löwenfellenen Umhang und blinzelt. Die Pranke über seiner Schulter scheint zu zucken.
»Wie wäre es mal mit zählen, Herakles?«, erwidert die schlanke Gestalt neben ihm und hebt mahnend ihre Balkenwaage. »Wir brauchen belastbare Daten, nicht Bauchgefühl.« Dike lächelt schmal.
»Daten kriegst du.« Herakles tippt mit dem Knöchel auf den Sternbogen am Kopf des Löwen. »Diese auffällige Sterngruppe nennen die Sterblichen Sichel, einen Asterismus, also ein Sternengewimmel, kein offiziell anerkanntes Bild. Genau wie der Große Wagen. Das Sternbild Löwe (Leo) ist ein größeres, offiziell definiertes Himmelsgebiet. Menschen kommen auf seltsame Ideen, der Mähne meines Löwen den Namen Sichel zu geben.« Der antike Held stößt einen Stoßseufzer aus, der seine Konstellation aufleuchten lässt.

»Hör sofort auf mit dem Gefunkel!«, mahnt Dike, die Göttin der Gerechtigkeit, streng. »Wo bleiben die Fakten, Schlaumeier?«
»Die Funken scheinen aus dem Sternbild Löwe zu kommen. Der sogenannte Radiant ist jedoch nur der perspektivische Ausgangspunkt, keine physische Quelle.« Er deutet auf eine weitere Spur, die in der Finsternis verglimmt. »Schnell wie Pfeile – schneller als meine jemals waren.«
»Rund 71 Kilometer pro Sekunde«, sagt Dike, »Schneller als die meisten Meteorströme. Darum die messerscharfen, kurzen Spuren.« Sie zieht eine Augenbraue hoch. »Und die Quelle?«
»Der Komet 55P/Tempel-Tuttle. Alle 33 Jahre, grob gerechnet, kommt er näher an die Sonne. Der Komet verschleudert im Vorbeiflug Staub und kleine Partikel (typischerweise Millimeter bis Zentimeter groß). Wenn die Erde mit ihren Bewohnern einmal im Jahr durch seine staubigen Hinterlassenschaften gleitet, erzeugen diese Mikrometeoroiden in der Atmosphäre Leuchtspuren. Die Menschen sagen Sternschnuppen dazu und wünschen sich etwas.« Herakles schüttelt den Kopf. »Hast du schon mal erlebt, dass ein Haufen Dreck Wünsche erfüllt?« Er zieht das Fell zurecht. »Es scheint, als kämen diese himmlischen Boten aus dem Sternbild Löwe. Nimm’s nicht persönlich, alter Kater.« Wieder tätschelt er die Mähne seines Weggefährten, die als Sichel leuchtet.
»Geht es auch kürzer?«, fragt die Göttin, einst bekannt für ihre Geduld. Seit ihrem frustrierten Abgang aus der Welt der Sterblichen verliert sie schneller die Contenance.

Kurzinfo:
Maximum: Nacht 16./17. November 2025
Mond: sehr dünne Mondsichel, je nach Zeitpunkt und Ort zwischen 7–13 % beleuchtet (für Mitteleuropa ca. 9–13 %). Das bedeutet kaum Störlicht und sehr gute Bedingungen für schwächere Meteore.
Beste Zeit für die Beobachtung: ab Mitternacht bis zur Morgendämmerung, wenn der Radiant im Sternbild Löwe hoch steigt
Erwartete Rate: unter normalen Bedingungen etwa 15 Meteore pro Stunde (ZHR, in der Praxis oft weniger)
»Erinnerst du dich an die Leoniden 1833 oder 1966, regelrechte Ströme aus Licht?« Dike lächelt. »Das waren Spektakel, leider sehr selten. In diesem Jahr rechnen die Astronomen eher mit einem dezenten Schauspiel, dafür mit dunklem Mond, was fast noch besser ist.«
»Ich erinnere mich an Nächte, in denen der Himmel zu brennen schien«, sagt Herakles leise und fährt mit den Fingern über die Narbe am Handrücken. »Damals fielen die Sterne wie Regen.«
»1833 beschrieben Augenzeugen über den USA wahre Kaskaden – Zehntausende pro Stunde. Faszinierend, aber unberechenbar. Und 1966 war ähnlich legendär.« Dike tippt gedankenverloren gegen ihre Lippen. »Heute wissen wir: Das hängt von frischen Staubfahnen und Gravitationsstörungen ab. Prognosen bleiben heikel.«
»Heikel wie ein Löwe mit undurchdringlichem Fell.«
»Apropos. Erzähl den Sterblichen doch, warum der Radiant ausgerechnet im Löwen liegt.«
Herakles setzt das Fell wie eine Kapuze auf. »Weil Hera – oder Zeus, je nachdem, wen du fragst – meinem Nemeischen Löwen an den Himmel versetzte, als Sternentrophäe, Konstellation Leo. Und jedes Jahr, wenn Tempel-Tuttles Staub die Erdbahn kreuzt, scheinen die Meteore aus seinem Sternbild zu sprühen.«

Was hinter dem Himmelsspektakel steckt:
Radiant im Löwen: Die Spuren zeigen scheinbar zum Löwen zurück, weil die Teilchen auf nahezu parallelen Bahnen in die Erdatmosphäre eintreten. Der Radiant ist ein Perspektiv-Effekt.
Irre Geschwindigkeit: Leoniden treffen die Atmosphäre mit etwa 71 km/s (≈ 252.000 km/h) und sind damit die schnellsten großen Meteorschauer. Deshalb sieht man oft kurze, sehr helle Striche mit gelegentlichen Nachleucht-Spuren.
Termin: In diesem Jahr vom 06. bis 30. November, das Maximum fällt in die Nacht 16./17. November.
Mondbonus 2025: Die Mondsichel ist klein – wenig Störlicht, besonders gut für schwächere Meteore.
Dike schnippt mit den Fingern. »Zeit für deine Praxis-Tipps. Keine Keule, keine Hydra – nur klare Anweisungen!«
»Zu Befehl, werte Göttin«, versetzt Herakles zwinkernd.
Beobachtungstipps (bewährt und ohne Heldentaten)
Dunkler Himmel schlägt alles. Raus aus der Stadt, freie Sicht nach oben.
Bequem zurücklehnen. Liege oder Decke, Blick 45–90° vom Radiant entfernt – dort sind die Spuren länger.
Geduld: 20–30 Minuten Dunkeladaption. Keine Handy-Blicke zwischendurch.
Zeitfenster: Nach Mitternacht bis vor der Dämmerung; dann steht der Löwe höher, die Rate wirkt besser.
Warm anziehen, Thermoskanne, Rotlichtlampe, und wenn ihr fotografiert:
Weitwinkel, ISO 1600–6400, f/1.4–2.8, 15–25 s Belichtung, Serienaufnahmen.
»Und wenn einer direkt über mir aufglüht?«, fragt Dike.
»Dann wünsch dir was«, erwidert Herakles und hebt zwei Finger. »Eins für die Sterne, eins für die, die schauen.«

Kleine Mythenkunde: Der Löwe und die Gerechtigkeit
Dike stellt sich unter den Sichel-Asterismus und betrachtet den Himmelslöwen. »Die erste deiner zwölf Arbeiten, nicht wahr?«
»Die erste, ja.« Herakles’ Stimme klingt weich. »Und auch eine meiner gerechteren, denn das Untier fraß nicht nur Rinder und Kälbchen, sondern auch Hirten. Sein Pelz war undurchdringlich wie ein Panzer.« Versonnen streichelt er über das Fell auf seiner Schulter. »Mit bloßen Händen rang ich ihn nieder und häutete ihn mit seinen eigenen Klauen. Seitdem trage ich sein Fell – nicht als Trophäe, sondern als Erinnerung an einen würdigen Gegner. An seine Stärke, vor allem aber daran, dass selbst die Kraft dieses Ungetüms Grenzen kannte.«
»Und an Verantwortung, die mit Stärke einhergeht«, ergänzt Dike. »Davon kannst du ja ganze Epen singen.«
»Danke, dass du mich stets an meine Schuld erinnerst, Dike.«
Die Göttin seufzt leise wie Sternenwind. »Der Tod deiner Familie war nicht deine Schuld, Herakles. Vielleicht ist das gerechte Maß heute nicht die Zahl der Meteore, sondern der Blick, den wir uns gegenseitig schenken, wenn wir sie sehen.«
Herakles verneigt sich. »So soll es sein. Dein Urteil, liebe Göttin, schätze ich wie immer.«

Doppeltes Himmelsspektakel: Der Supermond Anfang November
Im November 2025 erwarten uns nicht nur die Leoniden, der Mond kommt der Erde sehe nahe und zeigt sich als Supermond.
»Aber bevor die Leoniden kommen«, unterbricht eine sanfte, silberne Stimme die Dunkelheit, »habe ich meinen Auftritt.«
Herakles und Dike drehen sich um. Aus dem Schatten tritt Selene, die Mondgöttin, ihr Gesicht strahlend wie poliertes Silber, ihr Gewand ein Fluss aus Licht.
»Selene«, sagt Dike respektvoll. »Du kommst früh in diesem Monat.«
»Und ich komme nah«, antwortet Selene mit geheimnisvollem Lächeln. »Am 5. November 2025 erreiche ich um 14:19 Uhr meine volle Pracht – und gleichzeitig bin ich der Erde so nah wie das ganze Jahr über nicht: nur etwa 357.000 Kilometer. Die Sterblichen nennen es einen Supermond.«
Herakles pfeift leise. »Beeindruckend. Und sie können dich sehen?«
»Die ganze Nacht«, bestätigt Selene. »Ich gehe am frühen Abend auf, stehe um Mitternacht hoch am Himmel und leuchte bis zum Morgengrauen. Etwa 14 Prozent größer und bis zu 30 Prozent heller als gewöhnlich – ein echtes Schauspiel.«
Was macht den Supermond besonders?
Wissenschaftlich erklärt:
Selenes Bahn um die Erde ist elliptisch, keine perfekte Kreisbahn. Dadurch schwankt ihre Entfernung:
Perigäum (Erdnähe): ~356.000 km
Apogäum (Erdferne): ~406.000 km
Ein Supermond entsteht, wenn Vollmond und Perigäum zeitlich zusammenfallen. Der 5. November 2025 bietet den erdnächsten und damit größten Vollmond des gesamten Jahres.
Beobachtungstipps für den Supermond:
Beste Zeit: Kurz nach Mondaufgang (zwischen 17:00–17:30 Uhr), wenn Selene noch horizontnah steht
Mondtäuschung nutzen: Am Horizont wirkt der Mond noch größer – eine optische Täuschung, aber wunderschön
Gezeiteneffekt: Die Fluten fallen etwas stärker aus – Selenes Anziehungskraft ist spürbar
Tipps zum Fotografieren:
Für Meteor-Langzeitaufnahmen: Weitwinkel, ISO 1600–6400, f/1.4–2.8, Belichtungen 15–25 s (Serienaufnahmen).
Für den Supermond hingegen: kürzere Belichtungen (z. B. 1/125–1/500 s bei Teleobjektiven), damit die Monddetails nicht ausbrennen.
»Und dann«, sagt Selene mit einem verschmitzten Blick zu Herakles, »nur elf Tage später, am 16./17. November, überlasse ich die Bühne deinen Leoniden. Der Mond wird dann eine schmale Sichel sein – perfekt für Sternschnuppenjäger.«
Herakles neigt anerkennend den Kopf. »Ein würdiger Prolog. Du bereitest den Himmel vor, und wir liefern das Feuerwerk.«
Dike lächelt. »Zwei Himmelsereignisse in einem Monat – der November 2025 verwöhnt die Sternengucker.«
Die Fakten, kurz und wissenschaftlich fundiert:
Leoniden 2025:
Ursprung: Staub des Kometen 55P/Tempel-Tuttle, Umlaufzeit ~33 Jahre
Aktivität/Maximum 2025: 06. – 30. November, Maximum: 16./17. November
Mond: In der Nacht 16./17. Nov. 2025 ist der Mond eine sehr schmale, abnehmende Sichel – je nach Zeitpunkt liegt die Beleuchtung bei etwa 13 % am Abend des 16. Nov. und sinkt auf etwa 7–9 % in den frühen Morgenstunden des 17. Nov. (ortsabhängig).
Geschwindigkeit & Radiant: Eintrittsgeschwindigkeit ~71 km/s, Radiant im Sternbild Löwe (Sichel-Asterismus)
Erwartete Raten: typischerweise ~15 Meteore/Stunde unter idealen Bedingungen (ZHR), real meist geringer
ZHR = Zenithal Hourly Rate: die idealisierte maximale Anzahl von Meteoren pro Stunde bei perfekten Beobachtungsbedingungen (Radiant im Zenit, sehr dunkler Himmel). Die tatsächlich sichtbare Rate ist meist deutlich niedriger.
Historie: Legendäre Stürme 1833 und 1966, wichtig für die Meteor-Forschung
Supermond 5. November 2025:
Vollmond: 14:19 MEZ (13:19 UTC)
Entfernung: ~356.979 km – erdnächster Vollmond des Jahres
Erscheinung: ~14 % größer, bis zu 30 % heller als Durchschnitt
Sichtbarkeit: Ganze Nacht, besonders beeindruckend bei Mondaufgang
Gezeiteneffekt: Verstärkte Springfluten
Die Geschichten hinter den Sternen
»Geschichten wie diese«, sagt Dike und deutet auf Herakles’ Löwenfell und Selenes leuchtendes Gesicht, »verbinden Himmel und Erde seit Jahrtausenden. Die Sternbilder sind nicht nur Lichtpunkte – sie sind Erinnerungen, Wegweiser, Geschichtenspeicher.«
Herakles nickt. »Jede Kultur hat ihren Himmel anders gelesen. Aber alle haben hinaufgeschaut.«
»Und genau darum«, fügt Selene hinzu, »lohnt es sich, die Mythen zu kennen. Sie machen aus bloßen Beobachtungen ein Erlebnis.«
»Sternbilder und Himmelsmythen« – Das kompakte Nachschlagewerk
Mein Buch »Sternbilder und Himmelsmythen« verbindet wissenschaftliche Präzision mit mythologischem Reichtum.

Inhalt:
Die offiziell anerkannten 88 Sternbilder: von Andromeda bis Wasserschlange
Die Mythologie der 48 klassischen Sternbilder unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern vom größten Helden der Antike erzählt. Herakles als Zeitzeuge und Himmelsführer
Praktische Beobachtungstipps für eigene Himmelserkundungen
Wissenschaftlich fundiert, anschaulich erzählt
Ideal für:
Astronomie-Einsteiger und Fortgeschrittene
Alle, die wissen wollen, warum Herakles am Himmel steht
Sterngucker, die mehr als nur Punkte sehen möchten
Als Begleiter für nächtliche Beobachtungen
»Von Herakles’ Löwen bis zum Wolf, dem unheimlichen Wesen, das übers Firmament schleicht – der Himmel erzählt faszinierende Geschichten, denen keine moderne Soap das Wasser zu reichen vermag.«
Zum Schluss: Eine Einladung
Wenn ihr in der Nacht vom 16. auf den 17. November hinausgeht: Sucht die Dunkelheit, nehmt euch Zeit und lasst den Löwen nicht brüllen, sondern flüstern. Die Leoniden sind ein stilles Fest, und manchmal sind das die schönsten.
Und wenn ihr am 5. November zu Selene hinaufblickt: Haltet einen Moment inne. Spürt die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Mythos und Wissenschaft, zwischen dem Uralten und dem ewig Neuen.
»Daten vergehen«, erklärt Dike leise.
»Aber Geschichten leben ewig«, ergänzt Herakles und legt die Hand auf sein Löwenfell.
Dike hebt die Hand zum Abschied. »In diesem Sinne: Klaren Himmel. Und offene Augen.«
Die Sterne funkeln. Irgendwo heult wieder der Wolf oder der wachsame Hund.
Es spielt keine Rolle, denn der Himmel gehört heute Nacht allen. Seine Geschichten leben in jedem fort, der hinaufblickt und dem Sternenklang lauscht.
Quellen (Auswahl)
NASA / Leonids (schnelle Fakten zu Geschwindigkeit etc.). NASA Science
55P/Tempel–Tuttle – Orbit, Periode, nächste Perihel. Wikipedia
TheSkyLive / Sky charts (Radiant-Koordinaten). TheSkyLive
EarthSky / Meteor-Shower guide (Termin/Peak-Angaben und Beobachtungsempfehlungen). earthsky.org
AMS / IMO / Meteor Shower Calendar (ZHR-Angaben, Aktivitätsfenster). amsmeteors.org
(Deutschsprachige Version: meteoros.de)
Vollmond November 2025 TheSkyLive
Hinweis: Die schmückenden Bilder von Herakles, Dike und dem Nachthimmel wurden mit Hilfe von KI erstellt.




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