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Griechische Mythologie: Wie Hera, Zeus und Eifersucht die Sternbilder am Nachthimmel formten

Zeus, Hera, Herakles und ein griechischer Tempel

Wenn du nachts in den Himmel schaust, siehst du mehr als Licht und Dunkel. Du siehst die Narben einer göttlichen Ehe. Hass, Liebe, Eifersucht und Rache – der griechische Olymp war kein friedlicher Ort, und der Nachthimmel ist bis heute das stille Archiv all dieser Geschichten. Griechische Mythologie konserviert in Sternbildern.

Ich schreibe Bücher über Liebe und Magie, und ich habe mich mein ganzes Leben für Mythen begeistert. Doch irgendwann hat mich eine Frage nicht mehr losgelassen: Warum sind so viele Sternbilder eigentlich Zeugen einer einzigen, jahrtausendealten Beziehung – der zwischen Zeus und Hera? Und warum trägt der Nachthimmel so viele Spuren von Heras Eifersucht?

Lass mich dir davon erzählen.


Zeus und Hera – eine Ehe, die den Himmel erschütterte oder Sternbilder und griechische Mythologie

Zeus, der Herrscher des Olymps, war nicht gerade für seine Treue bekannt. Hera, seine Gemahlin, war Göttin der Ehe und Familie – und ausgerechnet sie war mit dem untreuesten Ehemann des gesamten Pantheons verheiratet. Die Ironie dieser Konstellation ist so alt wie die Mythen selbst.Doch Hera war keine duldsame Betrogene. Sie war listig, mächtig und beharrlich. Wenn Zeus eine Geliebte hatte, war es oft nur eine Frage der Zeit, bis Hera sie fand. Und ihre Rache traf nicht nur die Frauen selbst – sie traf ihre Kinder, ihre Familien, manchmal sogar ganze Völker.

Was das mit dem Nachthimmel zu tun hat? Sehr viel, denn einige der schönsten und bekanntesten Sternbilder sind direkte Zeugen dieser göttlichen Dramen.


Zeus

Kallisto – die Bärin am Himmel

Eine der bewegendsten Geschichten ist die der Nymphe Kallisto. Sie war eine Gefährtin der Jagdgöttin Artemis, keusch und dem Wald verbunden – bis Zeus auf sie aufmerksam wurde.

Je nach Überlieferung näherte sich Zeus ihr in der Gestalt der Artemis selbst, um ihr Vertrauen zu erschleichen. Das Ergebnis war eine Schwangerschaft, die Kallisto nicht verbergen konnte. Artemis verstieß sie aus ihrer Gemeinschaft. Hera, wütend über die Untreue ihres Mannes, verwandelte Kallisto zur Strafe in eine Bärin.

Jahre vergingen. Der Sohn, den Kallisto geboren hatte – Arkas, der Namensgeber Arkadiens – wuchs heran und wurde ein geschickter Jäger. Eines Tages begegnete er im Wald einer Bärin und hob den Speer, um sie zu erlegen.

Zeus, der die Szene beobachtete, griff im letzten Moment ein und versetzte Mutter und Sohn als Sternbilder an den Himmel. Kallisto wurde zum Großen Bären (Ursa Major), Arkas zum Kleinen Bären (Ursa Minor). Solltet ihr euch fragen, warum die beiden so lange Schwänze haben: Der Göttervater war nicht zimperlich, packte sie am Schweif und schleuderte sie gen Himmel.

Doch Heras Rache war noch nicht vollendet. Aus Zorn erwirkte sie bei Okeanos und Tethys, den Göttern des Meeres, dass die beiden Bären niemals im Ozean untertauchen dürfen. Wir haben Glück, dass Sternbilder nicht riechen. Für uns Beobachter auf der Nordhalbkugel sind der Große und der Kleine Bär das ganze Jahr sichtbar; sie kreisen zirkumpolar um den Polarstern und gehen niemals unter. Eine ewige Strafe, als Licht an den Himmel gemeißelt.


Zwei Bären

Io – die Kuh, die zur Göttin wurde

Io diente ausgerechnet Hera als Priesterin. Eine junge Frau, dem Dienst an der Göttin geweiht, und dennoch das nächste Opfer von Zeus' Begehren.

Als Hera sich näherte, verwandelte Zeus Io schnell in eine weiße Kuh, um sie zu verbergen. Hera ließ sich nicht täuschen und bat Zeus, ihr die prächtige Kuh zu schenken. Der Göttervater konnte nicht ablehnen, ohne sich zu verraten.

Hera übergab die Kuh dem hundertäugigen Riesen Argos zur Bewachung. Kein Schlaf konnte alle seine Augen gleichzeitig schließen. Zeus schickte Hermes, den Götterboten und Meister der List, der Argos mit einer endlosen Geschichte in den Schlaf redete und ihn schließlich tötete.Hera trauerte um Argos und setzte seine Augen in den Schwanz des Pfauenvogels – noch heute trägt der Pfau die Augen des Riesen. Io bekam ihre menschliche Gestalt zurück, gelangte nach Ägypten und wurde dort als Göttin Isis verehrt.

In manchen Überlieferungen wird Io mit dem Sternbild Stier (Taurus) in Verbindung gebracht – die weiße Kuh am Himmel, ein ewiges Mahnmal dieser Geschichte.

Herakles erzählt allerdings in meinem Buch »Sternbilder und Himmelsmythen« ganz andere Geschichten. Davon und von den Plejaden erzähle ich ein anderes Mal.


Ein alter Zeus mit Adler, eine weiße Kuh und eine junge Frau

Herakles – das Kind, das Hera am meisten hasste


Keine Figur verkörpert Heras Zorn so vollständig wie Herakles. Er war der Sohn des Zeus und der sterblichen Alkmene, und Hera hasste ihn noch, bevor er geboren war. Dabei bedeutete sein Name doch Ruhm der Hera. Der Göttervater besaß wirklich Talent für Fettnäpfchen.

Eigentlich sollte sein Sohn Herrscher über das Geschlecht der Perseiden werden. Zeus prahlte schon damit, ließ sich aber mal wieder von Hera überlisten. Sie beschleunigte die Geburt ihres Günstlings Eurystheus. So musste Herakles das Knie vor seinem Vetter beugen, statt selbst zu herrschen – und zudem auch noch zwölf unmögliche Arbeiten in seinem Auftrag verrichten.

Heras grausamste Rache war jedoch, Herakles die Freuden einer Familie mit Megara kosten zu lassen, um ihn dann mit Wahn zu schlagen. Er tötete sein Weib und seine Söhne und erlangte anschließend seinen Verstand zurück.

Am Ende aber – nach all den Kämpfen, nach Leiden und Tod und Wiedergeburt – wurde Herakles in den Olymp aufgenommen. Zeus setzte ihn als Sternbild Hercules an den Himmel, das viertgrößte Sternbild des gesamten Himmels. Knieend ist er dort zu finden, den Fuß auf dem Kopf des Drachen Ladon – noch ein Gegner aus seinen Heldentaten.

Und Hera? Sie soll ihm zur Versöhnung ihre Tochter Hebe zur Frau gegeben haben, die Göttin der ewigen Jugend. Mit ihr bekam er nochmals zwei Söhne: Alexiares und Anicetus.


Herakles als alter Krieger mit Löwe

Die Milchstraße – Heras Milch, die den Himmel tränkte


Es gibt eine Geschichte, die ich besonders liebe, weil sie Hera in einem anderen Licht zeigt. Aus Furcht vor dem Zorn der Göttin soll Alkmene den Säugling auf einem Feld ausgesetzt haben. Seine Schutzpatronin Athene sorgte dafür, dass Hera vorbeikam, die den greinenden Jungen an ihre Brust legte, um ihn zu stillen. Herakles saugte so kräftig, dass Hera das Kind erschrocken von sich stieß. Die Milch, die dabei verspritzte, stieg in den Himmel auf und wurde zur Milchstraße – auf Griechisch Galaxias Kyklos, der Milchkreis. Von diesem Wort leitet sich unser Begriff Galaxie ab.

So verdanken wir ausgerechnet dem Zorn und dem Schrecken einer Göttin den Namen für die unendlichen Weiten des Universums.


schöne Frau, Hera

Was der Himmel uns erzählt

Wenn ich nachts draußen stehe und den Großen Bären suche – jenes markante Sternbild, das in Mitteleuropa das ganze Jahr sichtbar ist – dann denke ich manchmal an Kallisto. An eine Frau, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war. An den Götterkönig als Drag verkleidet, um sich als Artemis auszugeben. An einen Sohn, der seine Mutter beinahe getötet hätte, ohne es zu wissen. Und an eine Göttin, die so verletzt war, dass selbst die Sterne ihre Wut tragen.

Die Griechen haben den Himmel mit Geschichten gefüllt – mit allem, was Menschen beschäftigt: Liebe und Verrat, Mut und Angst, Schuld und Vergebung. Der Nachthimmel ist ihr größtes Erzählwerk. Und er gehört uns allen.


Mehr entdecken

Wenn dich diese Geschichten neugierig gemacht haben, findest du in meinem Buch »Sternbilder und Himmelsmythen« alle 88 offiziell anerkannten Sternbilder mit ihren Hintergründen, der Entstehung und auffälligen Objekten. Außerdem erzählt euch Herakles höchstselbst die Mythen zu den 48 klassischen Konstellationen, unter anderem auch seine eigene. Natürlich mit seinem speziellen Heldenhumor. Wer könnte die Geschichten des Olymps glaubwürdiger schildern als ein Halbgott, der selbst dabei war?


Buch Sternbilder und Himmelsmythen

Zum Buch – alle Ausgaben im Überblick



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Sabine Reifenstahl schreibt über Mythen, Magie und den Nachthimmel – und manchmal über alle drei gleichzeitig.

1 Kommentar


Holger Fischer
Holger Fischer
vor 7 Stunden

Super Beitrag, sehr spannend! Neben Zeus und Hera ist auch Herakles sehr bedeutsam, z. B. das Sternbild Löwe -> https://www.mythologie-antike.com/t66-nemeischer-lowe-unverwundbares-ungeheuer-herakles-musste-dieser-bestie-das-fell-abziehen


Karkinos half einst der Hydra und befindet sich heute als Krebs am Himmel -> https://www.mythologie-antike.com/t68-karkinos-ungeheuer-riesiger-krebs-riesige-krabbe

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