Blue Moon am 31. Mai 2026 – der Mond, der lügt, und die Nacht, in der »Anderswelt« erscheint.
- Sabine Reifenstahl

- vor 7 Tagen
- 6 Min. Lesezeit

Am 31. Mai 2026 halten wir umsonst nach Blue Moon im wörtlichen Sinn Ausschau, dafür erscheint Anderswelt.
Der Vollmond am 31. Mai 2026 birgt eine Besonderheit, denn er ist der zweite im Monat Mai. Der erste Vollmond dieses Monats stand bereits am 1. Mai am Himmel. Der zweite trägt daher einen besonderen Namen, der mehr Geschichte in sich birgt, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Blue Moon.
Wer jetzt an blaues Mondlicht denkt, der fehlt. Der Mond leuchtet nicht blau. Er ist gelbweiß wie immer, groß und still. Der menschliche Kalender kümmert ihn nicht. Dafür wartet er mit einer Vergangenheit auf, die komplizierter ist, als der romantische Name vermuten lässt.
Botho lehnt in der Fensternische und schaut hinaus in die Mainacht. Schon eine Weile ist er zurück in der Menschenwelt – und doch fühlt sich dieser Abend anders an.
»Blauer Mond«, sagt er leise. »Verrätermond. Erinnert mich an meine Zeit in der Anderswelt.«
Nick tritt hinter ihn. »Er ist nicht blau«, erwidert er sanft und legt seinem Mann den Arm um.
»Nein, das war er nie. So wenig wie die Anderswelt …« Er hält inne und schüttelt den Kopf.

Anmerkung: Botho, Nick und Lorcan sind Figuren aus meinem neuen Roman.
Und warum der Blue Moon im Mai 2026 für mich wie ein Irrlicht aus der Anderswelt leuchtet, erzähle ich ganz nebenbei.
Was ein Blue Moon wirklich ist – und was nicht
Die heute geläufige Definition ist schnell erklärt: Ein Blue Moon ist der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats.
Da ein Mondzyklus durchschnittlich 29,53 Tage dauert, passen zwei Vollmonde nur in längere Monate und auch dort nur unter günstigen Umständen. Deshalb ist ein Blue Moon selten, aber keineswegs unmöglich. Im Schnitt geschieht es alle zwei bis drei Jahre.
Am 31. Mai 2026 um 10:45 Uhr MESZ ist es wieder so weit.
Ganz genau genommen ist der Mond zu diesem Zeitpunkt in Mitteleuropa am Tag voll. Für unser Auge spielt das kaum eine Rolle. In den Nächten davor und danach wirkt er rund und hell genug, um dem Himmel diese besondere Stimmung zu geben, die Vollmondnächte nun einmal haben.
Die heutige Definition ist eindeutig, doch beruht sie auf einem Irrtum.
Der Irrtum, der Geschichte machte
Die ältere astronomische Regel stammt aus dem Maine Farmer's Almanac, einem amerikanischen Almanach, der zwischen 1932 und 1957 eine andere Zählweise verwendete.
Dort war ein Blue Moon nicht der zweite Vollmond in einem Kalendermonat, sondern der dritte Vollmond in einer astronomischen Jahreszeit mit vier Vollmonden. Normalerweise hat jede Jahreszeit drei Vollmonde. Fällt ein vierter hinein, bringt er die vertraute Abfolge der traditionellen Vollmondnamen durcheinander.
Das klingt zunächst seltsam, ist aber logisch. Die Vollmondnamen waren mit dem Jahreslauf und dem Kirchenkalender verbunden. Ein zusätzlicher Vollmond konnte diese Ordnung verschieben. Daher bekam der dritte von vier Vollmonden einen Sondernamen: Blue Moon. Gewissermaßen ein Platzhalter, damit die übrige Abfolge erhalten blieb.
Diese Regel war kompliziert und wurde deshalb vielleicht missverstanden.
1946 veröffentlichte James Hugh Pruett im Magazin Sky & Telescope den Artikel Once in a Blue Moon. Er hatte die alten Almanach-Regeln studiert, deutete sie jedoch falsch und erklärte den Blue Moon zum zweiten Vollmond innerhalb eines Kalendermonats.
Diese Definition war schlicht, eingängig und leicht zu merken. Also setzte sie sich durch. Sie wanderte in Radiosendungen, Bücher und schließlich ins allgemeine Gedächtnis. Die ältere Regel geriet in Vergessenheit. Was als Missverständnis begann, wurde zur gültigen Deutung. So funktioniert Geschichte manchmal.

Warum heißt er überhaupt blau?
Auch hier lauern Irrtümer auf ihre Entdecker.
Eine verbreitete Erklärung leitet den Begriff vom altenglischen belewe ab, was sinngemäß »verräterisch« oder »betrügerisch« bedeuten kann. Der Mond, der lügt. Der Mond, der eine Ordnung durcheinanderbringt. Ein Vollmond, der dort auftaucht, wo er nach der gewohnten Zählung nicht hingehört ist eine nachvollziehbare Auslegung und könnte stimmen.
Der Weg von belewe zu blue wäre sprachlich denkbar. Ganz sicher belegt ist diese Herleitung allerdings nicht. Sie bleibt eine gut erzählbare, aber vorsichtig zu behandelnde Spur.
Eine andere Erklärung ist nüchterner: once in a blue moon bezeichnete schon früh etwas Unwahrscheinliches, das nur selten geschieht. Einmal alle Jubeljahre, wie man im Deutschen sagen würde.
Vielleicht steckt im Namen also weniger Farbe als Erwartung.
Der Blue Moon ist der Mond, der nicht ins Muster passt.
»Ein lügender Mond«, murmelt Botho, ohne den Blick vom Fenster zu nehmen. »Einer, der eine Ordnung vorgibt, die gar nicht vorhanden ist.«
»Oder«, sagt Lorcan von der anderen Seite des Raums, »einer, der einfach zu früh zurückkommt.«
Darauf tritt Stille ein. Nick sieht von einem zum anderen, bleibt bei Lorcan hängen. »Aber er ist genau da angekommen, wohin er gehört.«

Mikromond – und kaum einer merkt es
Dieser Mond ist ein Mikromond, aber kaum jemandem fällt das auf
Der Blue Moon vom 31. Mai 2026 hat noch eine zweite Eigenschaft, über die weniger gesprochen wird: Er ist ein Mikromond.
Der Mond befindet sich nahe seines Apogäums, also nahe dem erdfernsten Punkt seiner elliptischen Bahn. Dadurch erscheint er etwas kleiner als ein durchschnittlicher Vollmond.
Mit bloßem Auge ist dieser Unterschied kaum wahrnehmbar. Erst im Vergleich mit einem Supermond wird er deutlich. Ein Supermond steht nahe dem erdnächsten Punkt seiner Bahn und kann merklich größer und heller wirken.
Astronomisch steht der Mond in der Nähe des Sternbilds Skorpion, nahe beim rötlichen Antares, dem Herzstern des Skorpions. Astrologisch wird dieser Vollmond dem Zeichen Schütze zugeordnet. Das ist kein Widerspruch, sondern Folge der Präzession der Erdachse: Die tatsächlichen Sternbilder am Himmel und die zwölf astrologischen Tierkreiszeichen haben sich im Lauf von etwa zweitausend Jahren gegeneinander verschoben.
Manchmal zeigt schon der Himmel selbst, dass Ordnung eine Frage des Bezugssystems ist.
Mond, Schwellen und Anderswelt
Vollmonde waren nie nur astronomische Ereignisse.
Menschen haben ihnen seit jeher Bedeutung gegeben. Sie zählten Zeit mit ihnen, erzählten Geschichten über sie, fürchteten und verehrten ihr Licht. Der Mond stand über Jagd, Meer, Schlaf, Geburt, Wahnsinn, Verwandlung und Magie.
In vielen Mythen öffnen sich unter seinem Licht Grenzen leichter. In seinem Licht sehen wir anders. Schatten werden tiefer. Wege wirken fremder. Das Vertraute verliert seine Eindeutigkeit.
Genau dort beginnt für mich die Anderswelt.
Nicht als hübscher Feenhügel, in den man neugierig hineinspaziert, sondern als Reich hinter dem Schleier. Schön, gefährlich, verlockend. Ein Ort, an dem alte Mächte wirken und jede Entscheidung Folgen haben kann.
Brigid, Morrigan, Sidhe, Schwellen, Eide, Schuld.
Ein Mond, der nicht ins Muster passt.
Eine Göttin, die Wahrheit verlangt.
Ein Mann, der zu spät ins Leben eines anderen tritt, eines Mannes, der längst gebunden ist. Es gibt Konstellationen, die sind geschaffen für Drama, für Tragik, aber auch für Hoffnung. So wie in meinem Roman »Anderswelt«.
Wann ist der nächste Blue Moon?
Wer das Phänomen verfolgen möchte: Blue Moons sind rar, doch berechenbar.
Nach der heute üblichen Monatsdefinition ist der nächste Blue Moon je nach Zeitzone Ende 2028 beziehungsweise Anfang 2029 zu erwarten. Solche Abweichungen entstehen, weil ein Vollmond weltweit zur gleichen Zeit stattfindet, aber in verschiedenen Zeitzonen auf unterschiedliche Kalendertage fallen kann.
Langfristig folgt die Häufigkeit dem Zusammenspiel von Mond- und Sonnenjahr. Nach etwa 19 Jahren, dem sogenannten Metonischen Zyklus, liegen Mondphasen und Kalenderdaten wieder ungefähr ähnlich. Darum tauchen Blue Moons in größeren Mustern immer wieder auf.
Selten genug, um aufzufallen.
Regelmäßig genug, um wiederzukehren.
»Und wenn er wiederkommt?«, fragt Nick.
Botho antwortet nicht sofort. Draußen steht der Mond, silbern und still. Er lügt kein bisschen, sondern ist einfach da. Zu früh oder zu spät oder genau richtig, je nachdem, welchen Kalender man benutzt.
»Dann ist er da. Wie immer.«
Und weil es so schön ist, gibt es auch noch den saisonalen Blue Moon, der sich von der ursprünglichen jahreszeitlichen Definition ableitet. Den können wir bereits im Mai 2027 beobachten. So bleibt der Nachthimmel gut für Schlagzeilen.
Eine Nacht mit zwei Bedeutungen
Vollmond am 31. Mai 2026.
Ein Mond, dessen Name einem Missverständnis folgt. Ein Mond, der vielleicht von Verrat erzählt oder nur einfach nicht dort steht, wo die simple Ordnung ihn gern hätte.
Genau an diesem Tag erscheint Übersinnliche Gefährten – Anderswelt.
Das habe ich nicht geplant. Aber wenn es Nächte gibt, die sich anfühlen, als würde der Himmel miterzählen, dann ist diese eine davon.1
Anderswelt handelt von einer Welt, in der Grenzen durchlässig werden. Von Botho, einem Hundewandler, dessen Ehe mit Nick das Fundament seines Lebens ist. Von Lorcan, einem verbannten Sidhe, der alles verloren hat und trotzdem nicht verschwinden kann. Von Enid, deren Kräfte mächtiger und unberechenbarer sind, als irgendjemand möchte.
Und von Gefühlen, die nicht in die Ordnung passen.
Ein Blue Moon über einer Geschichte, in der Sehnsucht, Treue und Verantwortung nicht leicht zu trennen sind. Das passt gut.
Übersinnliche Gefährten – Anderswelt ist Band 4 der Reihe und kann unabhängig gelesen werden.
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Quellen und weiterführende Links
Österreichischer Astronomischer Verein: Blue Moon am 31. Mai 2026
Sky & Telescope / James Hugh Pruett: Once in a Blue Moon, März 1946
Scientific American: What is a Blue Moon?
StarWalk Space: Blue Moon May 31, 2026
TimeAndDate: Mondphasen und Vollmondzeiten
Wikipedia





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