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Perseiden 2026: Sternschnuppen und ihre Mythen

Aktualisiert: vor 1 Tag

Poster mit jungem Mann, Sternenhimmel und Meteorstrom; Titel: Wenn der Himmel weint – Die Perseiden.

Die Perseiden – Wenn der Nachthimmel Sternschnuppen weint


Ab 17. Juli einen der bedeutendsten Metorströme beobachten


Jedes Jahr im August flammen sie am Himmel auf – die Perseiden, einer der aktivsten Meteorströme des Jahres. Und in diesem Jahr fällt der Höhepunkt der Perseiden mit einer partiellen Sonnenfinsternis (in Deutschland) zusammen.


Auf einen Blick


  •  Perseiden aktiv: 17. Juli bis 24. August

  •  Maximum: Nacht vom 12. auf den 13. August

  •  Partielle Sonnenfinsternis: 12. August ab ca. 19 Uhr

  •  Neumond: 12. August


Beste Beobachtungsbedingungen seit Jahren!


Zwischen dem 17. Juli und dem 24. August kann man die Perseiden beobachten, die viele auch Laurentius’ Tränen nennen, jedenfalls, wenn das Wetter mitspielt. Ihren Höhepunkt erreichen sie meist vom 12. auf den 13. August, unter idealen Bedingungen liegt die Zenitale Stundenrate (ZHR) bei etwa 100 Meteoren. In der Praxis sind es eher 50 bis 60 pro Stunde, die sich beobachten lassen.


Die gute Nachricht: 2026 ist ein Glücksjahr für Sternschnuppenjäger. Am 12. August, mitten im Maximum, steht Neumond an – kein störendes Mondlicht trübt die Sicht. Bei klarem Himmel ergeben sich beste Chancen auf ein dunkles Beobachtungsfenster.


Astronomisch betrachtet handelt es sich beim Perseidenstrom um winzige Staub- und Gesteinspartikel des Kometen 109P/Swift-Tuttle, der alle 133 Jahre die Sonne umkreist. Wenn die Erde auf ihrer Bahn diese Partikelwolke durchquert, verglühen die Bruchstücke in der Atmosphäre.


Dass sie scheinbar aus Richtung des Sternbilds Perseus strömen, ist der Grund für ihren Namen. Der Radiant, also der Punkt, aus dem die Meteore zu kommen scheinen, liegt dort.



Historische Szene: Mann verteilt Brot an Arme vor Steinmauer; Kinder, Frauen und Laterne im Abendlicht, Sternschnuppen am Himmel.


Die Perseiden werden auch Laurentius’ Tränen genannt – Licht für einen Märtyrer


Der Name Laurentius’ Tränen stammt nicht etwa aus der Antike, sondern aus dem Mittelalter. Dennoch ist er tief mit dem menschlichen Bedürfnis verwoben, Himmelsphänomene mit Geschichten zu füllen.


Der heilige Laurentius war einer der sieben Diakone der frühen christlichen Kirche unter Papst Sixtus II., zuständig für die Verwaltung von Kirchenschätzen und die Fürsorge für Arme. Nach der Enthauptung von Sixtus II. während der Christenverfolgung durch Kaiser Valerian soll Laurentius die Kirchengüter an die Mittellosen verteilt und diese als die wahren Schätze der Kirche bezeichnet haben.


Am 10. August 258 wurde er hingerichtet, nach römischer Sitte angeblich mit einem Spektakel, das sowohl der Abschreckung als auch der Volksbelustigung diente.

Der Legende nach wurde Laurentius auf einem Bratrost über dem Feuer zu Tode gefoltert. Manche Forschende vermuten allerdings, dass die Rostlegende erst mehrere Jahrhunderte später entstand und auf einem Schreib- oder Überlieferungsfehler beruht. Es heißt, bei seinem Martyrium vergoss er nicht nur Tränen über die Sünden seiner Mitmenschen, sondern soll dem Henker lachend die Anweisung gegeben haben, ihn zu wenden, da der Braten auf einer Seite gar sei.


In der Kirche San Lorenzo in Lucina wird ein Rost als Reliquie aufbewahrt.

Laurentius gilt als Heiliger vieler Berufsgruppen, die mit offenem Feuer agieren: Feuerwehrleute, Bäcker, Köche, Bierbrauer, Glasbläser, Köhler, Textilreiniger, außerdem wurde er aufgrund seiner Tätigkeit als Verwalter der Kirchenschätze auch von Archivaren und Bibliothekaren angerufen. Und nicht zuletzt gilt er als Nothelfer für Brandopfer und Fieberleidende.


Um Laurentius’ Todestag herum, dem 10. August, erreicht der Perseidenstrom seinen Höhepunkt. Für die Menschen des Mittelalters war das kein Zufall. Die Sternschnuppen am Himmel galten als Tränen des Heiligen, der für seinen Glauben gestorben war.

Himmel und Erde, Schmerz und Licht verbanden sich zu einem Bild, das bis heute nachwirkt.


Übrigens, wer dachte, die antiken Göttersagen besäßen Drama und Grausamkeit, hat noch nie die Geschichten des frühen Christentums gehört. Eigentlich nicht meine Baustelle, nur so viel, es gab regelrechte Massenhinrichtungen, nicht nur Kreuzigungen. Der menschliche Erfindungsreichtum trug dunkle Blüten: Man zog zum Tode Verurteilten die Tunica molesta (wörtlich: »ärgerliche Tunika«) an.

Dieses Gewand wurde mit entzündlichen Stoffen wie Pech, Harz oder Naphtha getränkt. Eine Fackel, ein Amphitheater voll grölender Zuschauer – manchmal ist Geschichte schwerer zu ertragen als jeder Mythos.




Wissenschaft trifft Gefühl


Zurück zu dem sehenswerten Naturschauspiel mit Tipps, um Sternschnuppen aus dem Sternbild des Perseus, die Perseiden, zu beobachten:


  • Beste Zeit: Nacht vom 12. auf den 13. August, ab ca. 22 Uhr bis zur Morgendämmerung

  • Mondphase: Neumond am 12. August – idealer, dunkler Himmel

  • Ausrichtung: Den gesamten Himmel beobachten. Der Radiant liegt im Nordosten (Sternbild Perseus), die Sternschnuppen können jedoch überall am Himmel erscheinen.

  • Ort: Möglichst dunkel, ohne künstliches Licht, freier Horizont

  • Ausrüstung: Decke, Liege, warme Kleidung, Geduld


  • Bonus: Am Abend des 12. August partielle Sonnenfinsternis (bis zu 90 % Bedeckung) – nur mit zertifizierter Finsternisbrille beobachten!


Wichtig: Die Augen brauchen ungefähr 20 bis 30 Minuten Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, dann lassen sich deutlich mehr Meteore entdecken.


Wenn die erste Sternschnuppe fällt, sind wissenschaftliche Erklärungen nebensächlich. Dann flüstert man Wünsche, denkt an ferne Lieben oder einfach ans Leben – und das ist vielleicht der schönste Zauber an der Astronomie.




Der 12. August 2026 wartet mit einem astronomischen Spektakel auf:

Höhepunkt der Perseiden und partielle Sonnenfinsternis


Wer am 12. August nach oben schaut, bekommt gleich zwei Himmelsschauspiele geboten. Am Abend wird die Sonne vom Mond »verschlungen«, die Mondscheibe schiebt sich ab ca. 19:00 Uhr vor die Sonne – bei uns als tiefe partielle Sonnenfinsternis zwischen rund 83 und knapp 90 Prozent – je nach Standort in Deutschland. Das Maximum wird gegen 20:10 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, erreicht.


Die Sonne steht dabei schon tief im Nordwesten und geht mitten in der Finsternis unter – ein seltener Anblick.


Total wird es nur in einem schmalen Streifen über Nordspanien, Island und Grönland.



⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis: Schauen Sie niemals ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne – auch nicht durch Sonnenbrillen, Fotoapparate oder Ferngläser ohne Spezialfilter! Selbst wenn 90 Prozent der Sonne verdeckt sind, kann der ungeschützte Blick die Netzhaut dauerhaft schädigen. Verwenden Sie bitte ausschließlich zertifizierte Finsternisbrillen nach ISO 12312-2 von vertrauenswürdigen Herstellern.



Diagramm einer Sonnenfinsternis: Sonne links, Mond zwischen Sonne und Erde rechts wirft Schatten auf die Erde.
Visualisierung, warum wir eine Sonnenfinsternis erleben



Geschichten, die bleiben


Ob Sie nun an Laurentius denken, an Perseus und seine Nachkommen (die ebenfalls Perseiden genannt werden), oder sich einfach nur etwas wünschen, wenn die nächste Sternschnuppe fällt – der Perseidenstrom trägt Geschichten von Schmerz, Mut und Hoffnung.

Und manchmal auch von Witz und Wahnsinn, denn in der griechischen Mythologie ist Perseus eng mit seinem berühmten Nachfahren Herakles verbunden. Beide haben ihre ganz eigenen Abenteuer am Sternenhimmel erlebt und ihre Geschichten in den Konstellationen hinterlassen.

Von Perseus berichte ich in meinem nächsten Blogartikel, denn wenn Laurentius schon so viel Raum bekommt, sollte der Namensgeber der Perseiden nicht zu kurz kommen.



Buchtipp


In meinem Buch Sternbilder und Himmelsmythen verwebe ich Astronomie mit Mythologie: Herakles erzählt von Sternbildern, Himmelsmythen – und gelegentlich von seiner ganz eigenen Sicht auf das Universum. Natürlich auch über den Glückspilz Perseus und seine Sippe.


Mehr zum Buch:



Buch Sternbilder und Himmelsmythen



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