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Aus Kapitel 1.9 Nicky
»Das erste Mal glaubte ich, das würde sein wie in Filmen, er würde mich lieben und deshalb müsste ich das erwidern. Zulassen. Es hat wehgetan. Ich bat ihn, aufzuhören, hab geweint, aber er hat weitergemacht.«
Die Worte hingen schwer zwischen uns. Ich wartete darauf, dass sich etwas veränderte, die Luft, die Art, wie Greg mich hielt, irgendetwas. Ruhig lag er neben mir und kraulte mich tröstend.
»Danach hab ich mir gedacht, das nächste Mal wird besser«, fuhr ich fort. »War es nicht. Ich hab immer darauf gewartet, dass es so toll wird, wie alle sagen. Und dachte, ich mache was falsch, weil es nur wehtat.« Krampfhaft schluckte ich gegen den Kloß an, der sich in meiner Kehle gebildet hatte. »Der Letzte hat gesagt, er liebt mich. Das hab ich ihm geglaubt, ich wollte es glauben.« Meine Stimme brach erneut, ich räusperte mich. »Als Justin auszog, hab ich aufgehört. Mit allem. Ich wollte nie wieder, dass jemand so nah an mich herankommt.«
Greg zog mich dichter an sich heran und atmete schwer in mein Haar. Ich hörte ein Geräusch wie ein Schluchzen. »Oh Nicky, danke für deine Ehrlichkeit«, flüsterte er schließlich rau. »Das waren Arschlöcher, die dich nicht verdient und dir bewusst wehgetan haben. Es lag nicht an dem, was du hättest tun können, sondern daran, was von ihnen getan werden musste. Sie hätten dich vorsichtig vorbereiten müssen, damit du genießt, statt zu leiden. Du weißt, dass Nein Nein bedeutet, oder?«
»Ich hab mich ja drauf eingelassen. Sie sagten, ich wollte es auch.«
»Und dann wolltest du es beenden. Das ist legitim. Jederzeit. Die Kerle haben dich missbraucht.« Greg nahm sich einen Atemzug Zeit, ehe er weitersprach. »Vermutlich, weil sie dir körperlich überlegen waren und du ihnen nichts entgegenzusetzen hattest.« Er umarmte mich ganz fest. »Nichts davon war deine Schuld.«
»Ich hab es ja zugelassen.«
»Nein, das wurde dir angetan. Es wird nie wieder passieren!« Zum ersten Mal, seit wir uns kannten, hob Greg die Stimme. Nicht stark, aber ich erschrak trotzdem.
Sofort streichelte er mich. »Entschuldige, Kätzchen, ich bin nur sauer, weil dir wehgetan wurde. Die Männer haben dir etwas genommen.« Er holte tief Luft. »Deshalb lehnst du Intimitäten ab.«
»Es tut mir leid. Ich weiß nicht, ob ich nie will. Jetzt gerade kann ich es nicht. Wenn ich daran denke …« Ich brach ab und knautschte Bruno zwischen den Fingern. »Wenn ich daran denke, wird alles in mir zu Eis. Es fühlt sich falsch an, sogar mit dir. Dabei bist du anders.« Mühsam unterdrückte ich die Tränen. »Ich wünschte, es wäre nicht so«, sagte ich leise. »Ich wünschte, ich wäre einfacher.«
»Du bist nicht zu kompliziert, Nicky«, versetzte Greg ruhig. »Du bist verletzt worden.«
»Was, wenn sie mich kaputtgemacht haben? Ich hab Angst, dass ich nie …« Ich schluckte. »Dass ich für dich nie genug sein kann.«
»Ich habe dir versprochen, dich nicht zu drängen.« Sanft drückte er mir einen Kuss aufs Haar. »Das gilt nicht nur für heute Nacht oder diese Woche, sondern solange du brauchst.«
»Und was, wenn ich es nie ertrage?«
© 2026 Sabine Reifenstahl