

Nicky – Ein Kätzchen fasst Vertrauen
Gay Romance mit Hurt/Comfort und MMM Romance


Ein Kätzchen, das nur schmusen will.
Ein Dom, der mehr will als ein Spiel.
Seit seiner Kindheit kennt Nicky nur Ablehnung. Aus Angst, erneut verletzt zu werden, und um sein Geheimnis zu wahren, hält er andere auf Abstand. Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher, als von einem Menschen so geliebt zu werden, wie er ist.
Greg hat die Hoffnung auf mehr als flüchtige Begegnungen fast aufgegeben. Bis ihm Nicky begegnet. Doch seine wunde Seele, das unschuldige Verlangen nach Geborgenheit und der Altersunterschied stellen beide vor eine Herausforderung.
Für Nicky bedeuten Umarmungen und Vertrauen alles. Greg braucht auch körperliche Leidenschaft.
Je näher sie sich kommen, desto deutlicher erkennen sie, wie unterschiedlich ihre Bedürfnisse sind.
Vielleicht sind zwei Herzen nicht immer genug.
Die polyamore Gay Romance erzählt vom Ankommen in einer gewählten Familie und davon, dass Liebe ihren eigenen Weg finden darf.
Band 4 der Elysion-Reihe. Eigenständig lesbar, mit vertrauten Figuren aus den vorherigen Büchern.



Leseprobe
(Hinweis: Auch wenn Begriffe wie Daddy und Little fallen, erzählt die Geschichte nicht wirklich von Age Play. Caregiver tifft es eher.)
1 Nicky
Die Sirene war verstummt, aber in meinen Ohren schrillte sie immer noch. Mein Herz hämmerte schmerzhaft gegen die Rippen, die Hände versteckte ich tief in den Taschen, damit niemand sah, wie sehr sie zitterten.
Der Sicherheitsdienst hatte den Alarm ausgeschaltet und das Gebäude überprüft. Danach wartete er mit mir auf meinen Chef.
Manfreds Wagen kam scharf bremsend zum Stehen. Sein hochroter Kopf verhieß nichts Gutes. Ich hatte ihm den Feierabend versaut und das würde er mir nicht durchgehen lassen.
Langsam atmete ich ein und hielt die Luft an, solange ich konnte. Mir schwindelte, während ich mich auf seine Stimme konzentrierte, ruhig, kontrolliert, schlimmer als jedes Schreien.
»Reinigungsraum B drei nur bei deaktivierter Alarmanlage betreten, stand auf dem Zettel, Grünberg.« Jede Silbe betonte er, als würde das die Information verständlicher machen.
»Ich weiß«, murmelte ich, ohne ihn anzusehen.
Natürlich hatte ich den Zettel bemerkt. Sauber gefaltet klebte er an der Tür. Oben der Raumname, darunter ein Pfeil. Der Rest hatte sich für mich in eine unlesbare Fläche verwandelt, Linien und Zeichen, nichts Erkennbares. Kurz hatte ich gezögert und mich dann an das gehalten, was ich sicher erkennen konnte: die Raumnummer.
Tür auf, die Arbeit erledigen, schnell wischen und nicht stehen bleiben. Wie immer.
»Das ist das zweite Mal in drei Monaten«, sagte Manfred und verschränkte die Arme vor der Brust. Er wirkte enttäuscht. Wut hätte es mir leichter gemacht. »Beim letzten Mal habe ich es durchgehen lassen, weil du sonst zuverlässig bist. Aber ich kann niemanden behalten, der Anweisungen ignoriert.«
Ich schwitzte, obwohl ein kühler Wind wehte. »Das muss ich übersehen haben«, rechtfertigte ich mich. Meine Wangen flammten heiß auf wegen der Lüge. Den Zettel hatte ich gesehen, nur nicht verstanden.
Manfred musterte mich durchdringend. »Genau das ist das Problem. Du bist vorerst freigestellt und bekommst Bescheid.« Er drehte sich um und verschwand im Gebäude, gefolgt von den Sicherheitsleuten.
Reglos verharrte ich auf dem Bürgersteig und sah ihm nach. Ich sollte ihm folgen, ihm die Wahrheit sagen, um eine zweite Chance bitten. Doch ich wagte nicht einmal, mich zu bewegen.
Leute wichen mir weiträumig aus, als sei ich ansteckend.
Erkannten sie meine Unzulänglichkeit?
Wie sollte ich die nächste Miete zahlen? Sechshundertfünfzig Euro am Monatsanfang, das war das Wichtigste. Wenn ich diese Summe nicht aufbringen konnte, war die Wohnung weg, und ohne die gab es keine Tür mehr zwischen mir und dem Rest der Welt.
Tränen brannten in meinen Augen. Ich kämpfte dagegen an, holte meine Jacke, ohne von Manfred beachtet zu werden. Mit steifen Knien schlich ich zur U-Bahnstation und fuhr mit der nächsten Bahn heim. Es war kurz vor neun und der Waggon fast leer. Gegenüber saß ein Mann, der auf sein Handy starrte. Ich vermied es, ihn anzusehen, und atmete auf, als er ausstieg.
Meine Finger bebten so stark, dass ich den Schlüssel erst beim dritten Versuch ins Schloss versenkte. Aufatmend stieß ich die Tür auf und lehnte mich von innen an. Mit geschlossenen Lidern rang ich um Fassung. Wieder einmal hatte ich Mist gebaut. Weil ich zu dumm war, einen einfachen Zettel zu lesen.
Zu dumm. Das zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben. […]
2. Greg
Irgendetwas stimmte nicht. Schon als Martin sich auszog, bemerkte ich es. Nachlässig deponierte er die Kleidung auf dem Sofa, weder ordentlich noch mit der Sorgfalt, die er üblicherweise darauf verwendete. Bedächtig ließ er sich vor mir nieder und nahm seine Position ein, die Hände auf dem Rücken, wie ich es ihm beigebracht hatte, die Beine leicht gespreizt, den Kopf gesenkt.
Die Haltung wirkte korrekt, aber seine Atmung beruhigte sich nicht. Zu flach und zu hastig, so wie der Alltags-Martin hechelte, wenn er spät dran war und noch schnell einen Kaffee herunterschüttete. Nichts erinnerte an den Sub, der sich mir hingeben wollte.
Mein Magen zog sich zusammen. Ich kniete mich vor ihm nieder, strich behutsam die Linie seines Kinns entlang und hob es mit zwei Fingern, bis er mich ansah. »Was brauchst du?«
Er fokussierte etwas hinter mir, lächelte schief und schaute mich kurz an. Ein Ruck fuhr durch seinen Körper.
»Einen richtigen Dom«, erwiderte er, erhob sich und starrte mich herausfordernd an.
»Rot«, sagte ich ruhig und stand gleichfalls auf. Damit beendete ich die Session für uns beide, bevor sie überhaupt angefangen hatte. »Möchtest du bestraft werden oder reden?«
»Entschuldigung, ich bin wirklich müde.« Seine Stimme klang matt, die Augen wichen mir aus.
»Sieh mich an.«
Er folgte dem Befehl zögerlich und da erkannte ich hinter der Erschöpfung, der Ausrede und dem verunglückten Lächeln etwas, das nicht mehr mir gehörte. Martin entfernte sich unaufhaltsam.
Erstarrt musterte ich ihn und ballte die Faust um die imaginäre Leine aus Hingabe und Gehorsam. Ich verstand sofort, dass sie nicht mehr in meinen Händen lag.
»Wer ist es?«, fragte ich.
»Das ist nicht …«
»Wer?«
Martin schwieg eine Sekunde, ehe er mich mit einem Blick maß, der sich wie eine scharfe Klinge anfühlte. »Niemand, den du kennst, keiner aus dem Elysion. Du bist zu weich für mich, Greg, das warst du immer. Ich hab es trotzdem versucht. Funktioniert nicht, ich brauche einen Dom, der weiß, was er tut und nicht ständig fragt, ob es mir gut geht.«
Sorgfältig sortierte ich die Worte und vermied es, Martin zu zeigen, dass sie in die gleiche verletzte Stelle trafen, wo nach der missglückten Session mit Dorian eine Narbe zurückgeblieben war. Eine andere Situation, in der ich mich verleiten ließ, mehr Schmerz zu geben, als ich für angebracht hielt. Als ich das Kautereisen und die Absicht dahinter erkannte, ließ ich den Sub hilflos gefesselt zurück und floh.
Absolut unverzeihlich.
Deshalb war ich vielleicht übervorsichtig, aber das hätten wir klären können. Nicht jedoch die Sucht nach mehr Schlägen, dem Nervenrad, Wachs ohne Temperaturlimit. Schmerz konnte wie eine Droge wirken. Bei manchen setzte er Endorphine frei, sie brauchten immer mehr davon, um sich in einen Zustand zwischen Lust und Verzweiflung zu bringen. Für Martin wäre es nie ausreichend, er würde stets weiter gehen wollen.
»Du hättest früher sagen können, was du brauchst. Der Weg, auf dem du dich befindest, ist gefährlich. Wir könnten …«
»Nein, es gibt kein wir mehr. Ich habe jemanden gefunden, der mich nicht ständig gängelt, als sei ich ein kleines Kind!« Eilig zog er sich an, genauso zerstreut wie beim Ausziehen. Das Wäscheschild seines T-Shirts hing heraus.
»Martin, sei vorsichtig«, bat ich.
Er antwortete nicht, war schon längst fort. In Gedanken, jetzt auch physisch.
Angestrengt atmete ich, weil ich mir Sorgen machte. Manche Doms verstanden sich auf Schmerz und konnten ihn hoch dosieren, ohne ernsthafte Schäden zu verursachen. Im Elysion gab es spezielle Nächte, in denen sich Leute mit diesem Kink trafen und ihn in sicherer Umgebung auslebten. Als ich Martin kennenlernte, hatte ich Kieran, einen der Inhaber des Clubs, nach den Schattennächten gefragt und gebeten, mir seine Techniken beizubringen.
»Das funktioniert nur in Ausnahmefällen, wenn man es selbst nicht liebt. Ich kann diesen Schmerz geben, weil ich weiß, dass es besser ist, ihn von mir zu empfangen als von jemandem, der dabei Schaden anrichtet. Deshalb biete ich auch Workshops an. Das ist jedoch ein schmaler Grat, den du meiden solltest.«
»Du hast sogar Dorian geholfen.«
»Dorian ist verletzt, so tief, dass er den Schmerz in seinem Innern manchmal mit körperlichem betäuben muss. Daher erlaubt sein Dom Skandar ihm, mit mir oder jemandem zu spielen, der klare Grenzen zieht. Martin hat ein herabgesetztes Schmerzempfinden und sieht Verletzungen als Herausforderung an. Du tust ihm keinen Gefallen, dich darauf einzulassen. Und dir noch weniger, wenn du dich für diesen Mann verbiegst.«
Kieran hatte recht behalten. Ich hätte die gelegentlichen Sessions mit Martin zu einer Zeit beenden sollen, in der die Trennung weniger schmerzhaft gewesen wäre, an einem Punkt, an dem ich mir noch nicht wie ein Versager vorkam.
Die Tür war hinter ihm zugefallen, und ich stand am Fenster und betrachtete die Straße, ohne wirklich zu sehen, was dort vorging. Zu weich! Wie ein Dorn fraß sich dieses Wort in meine Seele. […]
7 Nicky
Als ich aufwachte, spürte ich Wärme im Rücken. Vorsichtig drehte ich mich um und blickte in ein ruhiges Gesicht.
Greg lächelte mich an. »Guten Morgen, Kätzchen.«
»Guten Morgen – Daddy Greg.«
Mit dem zerwühlten blonden Haar und dem schelmischen Grinsen sah er jünger aus. In diesem Moment fand ich nichts von dem Dom, der mich bei unserer ersten Begegnung so erschreckt hatte.
Ich bettete die Wange auf seiner Brust und lauschte auf das langsame Pochen darin. Der Duft des Duschbades und seine ganz eigene Note stiegen mir in die Nase. Genüsslich sog ich beides ein. In seinen Armen fühlte ich mich wohl, als sei ich angekommen. Das hier gerade war viel mehr mein Zuhause als die kleine Wohnung mit der Tür, hinter der ich mich vor der Welt versteckte. Mit Greg musste ich mich nicht verstecken. Er schämte sich meiner nicht.
Ich rückte noch dichter an ihn heran. »Es ist so schön mit dir. Danke, Daddy.«
Seine große Hand legte sich in meinen Nacken, er kraulte mich sanft, was mich behaglich seufzen ließ.
»So gut habe ich selten geschlafen«, murmelte ich gegen seine Haut.
»Es ist Sonntag, wir haben Zeit.« Er drehte den Kopf zur Seite. »Erst halb acht. Hast du Hunger?«
»Können wir noch ein bisschen liegen bleiben? Es ist gerade so schön mit dir.«
»Natürlich.« Er streichelte meinen Rücken.
Die Sonne malte ein helles Rechteck auf die Bettdecke, der Tag versprach, schön zu werden.
»Liest du mir noch ein bisschen vor? Ich mag deine Stimme.«
Dunkles Lachen erklang, irgendwie wie das Grollen eines Bären, allerdings eines sehr gutmütigen. So wie Bruno. Ich schaute mich suchend um und fand den Teddy über mir auf dem Kopfkissen. Schnell zog ich ihn zu mir heran und schloss die Lider.
Greg las die Geschichte weiter, langsam, sodass ich folgen konnte. Mal in seinem eigenen Ton, dann höher, kindlicher, wenn der Little etwas sagte.
Heimlich grinste ich.
Im Roman wollte der Sub sein Gemüse nicht essen, außerdem beschwerte er sich, dass die Nuggets nicht die richtige Form hatten. Quengelig verlangte er Saurier.
»Es macht keinen Unterschied«, flüsterte ich.
»Was?« Greg legte den Reader beiseite.
»Welche Form sie haben.«
»Für den Little schon.«
»Muss ich auch so nervig sein?«
Er zog mich in die Arme und küsste mich auf die Stirn. »Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du es nicht wärst und ich dir das Essen nicht in lustige Formen schneiden muss.«
»Ist das nicht Sinn von einem Little?«, erkundigte ich mich unsicher.
»Wie wir das gestalten, liegt bei uns. Du darfst brav sein, jemand der sich fügt, weil er es möchte.« Nach einem tiefen Atemzug nickte er. »Ich habe gestern noch ein bisschen nachgedacht. Pipi-Spielen kann ich bereits im BDSM-Kontext nichts abgewinnen. Dich zu windeln, dir den Hintern zu reinigen und zu pudern, fiele mir vermutlich schwer.«
Bei dem Gedanken schüttelte ich mich. »Nein«, sagte ich schnell. »Ich möchte die Toilette benutzen, allein.«
Wieder erklang dieses leise tiefe Lachen, das ich jetzt schon liebte. »Das finde ich beruhigend, Kätzchen. Obwohl ich alles für dich ausprobieren würde.«
»Sollte ich das nicht auch?«
»Als Dom ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Du musst nur genießen.«
Darüber dachte ich nach. »Ich möchte, dass es dir auch gut geht. Ist das falsch?«
Greg setzte sich auf und legte die Hand an meine Wange. »Es gibt kein richtig oder falsch, Nicky. Wir probieren aus, was uns gefällt. Und dabei müssen wir uns nicht danach richten, wie andere es machen. Wichtig ist nur, dass wir ehrlich miteinander umgehen. Du sagst mir, was du möchtest und was du nicht magst, und ich werde es genauso halten. Mit einer Einschränkung: Ernste Gespräche mute ich dir nur zu, wenn ich sehe, dass du sie gerade erträgst und dich erwachsen genug fühlst. Du darfst ein Little sein, also mein kleiner Junge, wann immer du willst. Und dann werde ich mich umso sorgfältiger um dein Wohlergehen kümmern und dich nicht belasten.«
Wie Greg das sagte, wusste ich, dass er seine Worte so meinte.
»Danke, dass du so verständnisvoll bist. Jetzt hätte ich vielleicht ein Hüngerchen.« […]
© 2026 Sabine Reifenstahl


