Drachen in Mythologie, Fantasy und am Nachthimmel
Aktualisiert: vor 2 Tagen

Drachen gehen immer, daher finden sie sich auch in »Drachenwinter und Herzfeuer« – Kurzgeschichten aus der Welt von Mittsommerlegende und Übersinnliche Gefährten. In meinem neuesten Roman »Wolfsbann und Drachenglut«, der voraussichtlich im November 2026 erscheint, spielt der Drachenwandler Veyrik sogar die Hauptrolle.
Ein guter Anlass, etwas mehr über Drachen als Wesen zu erzählen, die die Menschen schon sehr lange in den Bann zogen.
Eine Reise zwischen Vergangenheit und Moderne –
Drachen in Mythologie, Fantasy und Astronomie
Magisch, majestätisch und manchmal gefährlich: Drachen gehören zu den faszinierendsten Wesen der Mythologie. In beinahe jeder Kultur begegnen wir ihnen, mal als weise Urkraft, mal als zerstörerisches Monster, mal als heimlicher Held.
Bei mir dürfen sie natürlich nicht fehlen, aber sie sind anders. Sie sind emotional und manchmal einsam, wie Valerian oder Veyrik, die einen Seelengefährten und die Liebe suchen. Andere sind abgeklärte Gegner von Drachentötern und gnadenlose Jägerinnen.
Grund genug, den Blick über das eigene Drachenfeuer hinauszurichten. Woher kommen eigentlich die Drachenmythen? Und was haben sie mit Sternbildern, Orakeln und Fantasy zu tun?

Drachen am Himmel – das Sternbild Draco und seine Sternschnuppen im Oktober
Hoch am Nordhimmel windet sich Draco zwischen Großem und Kleinem Bären. Von Deutschland aus geht er nie unter, er ist das ganze Jahr über zu sehen. Thuban stand vor rund 4500 Jahren nahe am nördlichen Himmelspol und eignete sich dadurch in der Zeit der ägyptischen Pyramiden als Polarstern.
Die alten Griechen verbanden mit Draco oft den am Firmament verewigten Ladon.
Und im Oktober zeigt Draco noch mehr: Die Draconiden, Sternschnuppen, die aus dem Kopf des Drachen zu kommen scheinen. Dabei handelt um die Staubspur des Kometen 21P/Giacobini-Zinner. Wenn die Erde diese durchquert, verglühen Partikel davon beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre.
Die Draconiden sind vom 6. bis 10. Oktober aktiv, das Maximum fällt auf den 8./9. Oktober. 2026 ist der Himmel fast mondlos und recht dunkel, also günstige Beobachtungsbedingungen. Dennoch erwartet uns kein spektakuläres Feuerwerk. Meist sind es nur wenige Meteore pro Stunde und es braucht eine Portion Glück, sie zu entdecken. Am frühen Abend stehen die Chancen am größten.

Walisische Drachen – Zeichen von Macht und Schicksal
Die überlieferten keltischen Mythologien kennen Drachen nicht überall in derselben Form. Besonders bekannt wurde das Drachenmotiv in der britischen und walisischen Überlieferung.
Ihr Auftritt in Britannien geht vermutlich auf das römische draco zurück, ein Feldzeichen in Drachengestalt. Dieses Feldzeichen hatten die Römer von Reitervölkern übernommen.
Der berühmteste Drache Britanniens ist wohl der rote Drache von Wales, Y Ddraig Goch. Er ziert die walisische Flagge offiziell seit 1959. Seine Geschichte ist viel älter. In der Historia Brittonum (9. Jahrhundert) wird von einem Turm des Königs Vortigern berichtet, der immer wieder einstürzte.
Das Blut eines vaterlosen Jungen sollte das Fundament festigen. Der Knabe, der in der Historia Brittonum Ambrosius heißt, wird bei Geoffrey of Monmouth mit Merlin verbunden. Er erklärte dem Herrscher, unter dem Turm hätten zwei Drachen geschlafen. Der Baulärm hatte sie geweckt und nun kämpften sie erbittert.
Als man dort grub, flogen zwei Drachen auf und rangen erbittert miteinander.
Letztlich vertrieb der kleinere rote Drache den körperlich überlegenen weißen. Das deutete Merlin als Zeichen, dass die Briten letztlich gegen die angelsächsischen Invasoren siegen würden, denn der rote symbolisierte die Briten, der weiße die einfallenden Sachsen.
Noch berühmter ist vielleicht Uther Pendragon, der Vater von König Arthur. Uther Pendragon – sein Beiname wird in der mittelalterlichen Überlieferung mit dem Drachenmotiv verbunden. In Geoffrey of Monmouths Historia Regum Britanniae (12. Jahrhundert) erscheint ein drachenförmiger Komet am Himmel.
Merlin deutete ihn als Zeichen für den Tod des Königs und für Uthers Aufstieg. Daraufhin ließ Uther zwei goldene Drachenstandarten anfertigen und nahm den Beinamen an. Immer wieder half Merlin ihm, auch dabei, in der Gestalt von Igraines Gatten in Tintagel einzudringen und mit ihr Arthur zu zeugen.
Da denke ich sofort an einen anderen Schürzenjäger. Zeus nutzte der Sage nach die gleiche List bei Alkmene. Sein Sohn Herakles war ein ebenso großer Held für die Griechen wie Arthur später für die Briten. In der Historia Brittonum werden Arthur zwölf große Schlachten gegen die Sachsen zugeschrieben. Herakles ist für seine zwölf Arbeiten bekannt.
Mehr zu ihm findet ihr in meinem Blogartikel Herakles’ Reisen durch die antike Welt: Vom Helden zum Sternbild.
Zurück zum roten Drachen. Dieses Symbol blieb noch lange lebendig. Heinrich Tudor zog 1485 mit einem roten Drachenbanner in die Schlacht.

Nordische Drachen – Gier, Fluch und Verwandlung
Die nordische Mythologie erzählt von Drachen, die oft aus menschlicher Gier entstehen. Wie Fáfnir, der Sohn des Zwergs Hreidmar, der seinen Vater aus Gier nach dessen verfluchtem Schatz erschlug und sich anschließend in einen Drachen verwandelte.
Sein Gift und der Schreckenshelm machten ihn zu einem gefürchteten Ungeheuer. Von Rache getrieben, verriet sein Bruder Regin ihn an Sigurd. Dieser hob eine Grube aus, wartete darin und stach dem Drachen von unten ins Herz.
Als er das Herz briet, verbrannte er sich den Daumen und steckte ihn sich in den Mund, um ihn zu kühlen. So kostete er das Drachenblut und verstand plötzlich die Sprache der Vögel. (Das Bad im Drachenblut, das unverwundbar macht, stammt dagegen aus dem Nibelungenlied und gehört zu Siegfried.)
Nidhöggr (Níðhöggr, etwa »Neidhauer«) haust in den Tiefen unter Yggdrasil, dem Weltenbaum, und nagt an dessen Wurzeln. In der Völuspá wird er zugleich mit der Bestrafung von Eidbrechern und Mördern verbunden.
Jörmungandr, die Midgardschlange, ist zwar kein Drache im klassischen Sinn, erfüllt aber viele drachentypische Rollen. Sie ist ein Kind von Loki und der Riesin Angrboda und umspannt die Welt. Am Tag von Ragnarök tritt sie Thor gegenüber. Beide sterben in diesem Kampf.
Der Lindwurm ist ein schlangenförmiges Drachenwesen, oft Schatzwächter oder Fluchträger. Der berühmte Klagenfurter Lindwurm wurde nach einem Schädelfund von 1335 gestaltet, der in Wahrheit von einem Wollnashorn stammte.
Orm ist das altnordische Wort für Schlange und Drache. Es taucht in Runeninschriften auf, und auf Bildsteinen winden sich namenlose Schlangenwesen.

Slawische Drachen – Verführer, Bewacher und mehrköpfige Schrecken
In den slawischen Volksmärchen wimmelt es von mehrköpfigen Bestien wie Smej Gorynytsch, einem dreiköpfigen, feuerspeienden Drachen, der Königreiche in Angst und Schrecken versetzt.
Der Wawel-Drache von Krakau endet dagegen durch eine Kriegslist. Ein Schusterlehrling füttert ihn mit einem schwefelgefüllten Schaf, und der Drache trinkt aus Durst den Fluss leer, bis er platzt.
Drachinnen tauchen ebenfalls auf und erzählen vom Wandel der Rollenbilder im Märchen. Oft sind Drachen Verlockung und Prüfung zugleich, sie begegnen unseren Ängsten wie unserer Sehnsucht nach Nähe.
Griechische Drachen – Wächter, Schlangenwesen und Sternbilder
In der griechischen Mythologie sind Drachen häufig Wächter. Ladon bewacht im Garten der Hesperiden die goldenen Äpfel. Herakles tötet ihn in manchen Überlieferungen und macht damit ihre Beschaffung zu einer seiner zwölf Aufgaben. Manchmal wird Ladon danach als Sternbild Draco an den Himmel gesetzt. Andere sehen im Draco einen Drachen, den Athene im Kampf gegen die Giganten an den Himmel schleuderte.
Die vielköpfige Hydra von Lerna, bei der nach dem Abschlagen eines Kopfes zwei neue nachwachsen, gilt als Sinnbild des Unbezwingbaren. Und der Drache oder die Drachenschlange Python bewacht ein Gaia geweihtes Heiligtum.
Zeus ließ zwei Adler von entgegengesetzten Enden der Welt aufsteigen. Wo sie sich trafen, bestimmte er den Mittelpunkt der Welt. Dort ließ er den Stein fallen, den sein Vater Kronos in der Annahme verschlungen hatte, es sei sein jüngstes Kind Zeus.
Den Stein nennt man Omphalos.
Der Omphalos und das Orakel von Delphi
Apollon erschlug Python, übernahm das Heiligtum und es erhielt den Namen Delphi.
Der Omphalos, der »Nabel der Welt«, stand im Tempel von Delphi. Die Priesterin Pythia ist nach Python benannt und sprach im Namen Apollons.
Das Heiligtum war zuvor Gaia, der Mutter Erde, geweiht – einer weiblichen, fruchtbaren Urkraft. Apollon erschlug den Drachen, übernahm das Heiligtum und die Kraft der Weissagung.
Aus heutiger Sicht lässt sich diese Geschichte auch als Erzählung über einen Machtwechsel lesen: Die alte, mit Gaia verbundene Ordnung wird von Apollons Kult verdrängt. Python wird dabei zum Symbol einer älteren, erdverbundenen Macht.

Drachentöter – Helden, Heilige und Hinterhalte
Wo von Drachen erzählt wird, sind Drachentöter oft nicht weit. Fast jede Überlieferung kennt den Helden, der das Ungeheuer erschlägt, und meistens ist der Sieg der Beweis seiner Größe.
Herakles tötet Ladon. (Nicht immer übrigens. In meinem Buch »Sternbilder und Himmelsmythen« erzähle ich eine andere Überlieferung, in der er den Titanen Atlas überzeugt, ihm einen Apfel der Hesperiden, seiner Töchter, zu besorgen. Dafür übernimmt der Held kurzzeitig die Last des Himmelsgewölbes, das Atlas schwer auf die Schultern drückt.) Apollon erschlägt Python und Kadmos streckt den Drachen des Ares nieder. Aus dessen Zähnen wachsen Krieger, die Spartoi, auf Thebens Boden. Jason braucht dagegen Medeas Schlaftrank, um an das Goldene Vlies zu kommen. Sigurd wartet in einer Grube auf Fáfnir, und Beowulf stirbt an den Wunden, die ihm sein letzter Drache schlägt.
Der heilige Georg kam erst im Mittelalter zu seinem Drachen. In der Legenda aurea (13. Jahrhundert) rettet er eine Königstochter vor der Bestie.
Auffällig ist, dass der Drache selten eine Stimme bekam. Und wenn, wie der sterbende Fáfnir, der Sigurd warnte und verfluchte, wurden ihm eher düstere Worte ins Maul gelegt. Oft musste er etwas hüten, ob nun seinen eigenen Schatz oder einen fremden wie das Goldene Vlies oder einen Apfelbaum. Ihm wurde die Verantwortung für eine Quelle oder ein Orakel übergestülpt und oft wurde er dafür getötet. Nach seiner Meinung hat selten jemand gefragt, und reden durfte er ohnehin eher nicht.
Die moderne Fantasy wandelte das Bild und oft wurden aus Monstern Freunde, Gefährten, Beschützer. Und da reihen sich meine Drachen ein. Ob nun Valkan, der letzte Drache, dem Drachentöter seine ganze Familie nahmen und dessen Feuer deshalb erlischt. Die Helden der alten Zeiten werden bei mir zu Mördern, und die Geschichte beginnt dort, wo das Heldenlied aufhört.

Drachenliebe in meiner Fantasy – »Drachenwinter und Herzfeuer«
Nicht nur in den überlieferten Legenden haben Drachen ihren festen Platz. Was wären die modernen Märchen ohne die großen, manchmal liebenswerten Echsen?
»Drachenwinter und Herzfeuer« ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Den Namen verdankt das Buch der Geschichte von Valkan, dessen Familie von Drachentötern hingemetzelt wurde. Der Kummer lässt das Herz des Drachen erkalten, er wird zum Eisdrachen. Erst die schwangere Menschenfrau Fenja weckt sein Mitgefühl. Mit der Magie seines Herzfeuers verwandelt er sie und ihr ungeborenes Kind in Drachenhybriden.
Ihren Sohn nennen die beiden Valerian, nach Valkans erster Gefährtin Valeria.
Valerian und seinem Halbbruder Veyrik begegnet ihr in der Buchreihe Übersinnliche Gefährten.
Die Anthologie verbindet diese Reihe mit der Mittsommerlegende. Einige Geschichten entstanden zu Challenges und waren mir zu schade, nur auf Instagram zu verschwinden: Kieran, Magnus, Mischa, Robin, Enid und Alessio einmal anders. Die beiden Bonusgeschichten sind etwas älter, humorvoll oder bitterböse, aber auf jeden Fall unterhaltsam.
Mit Kindle Unlimited kostenlos zu lesen, ansonsten für 0,99 € als E-Book oder 5,99 € als liebevoll gestaltetes Taschenbüchlein. Mehr zum Buch findet ihr hier.

Das Beste kommt zum Schluss. Im fünften Band von Übersinnliche Gefährten, »Wolfsbann und Drachenglut«, hat Veyrik seinen großen Auftritt als Hauptfigur. Und ihm stelle ich Lykas an die Seite, einen Sohn des verfluchten Königs Lykaon von Arkadien, der sich bei Vollmond in ein Monster verwandelt.





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